Naher Osten – Interview mit Rahel

Rahel, bitte stell dich kurz vor…Hallo. Ich bin Rahel, 29 Jahre alt, Sozialpädagogin und ich liebe es fremde Länder und Kulturen zu entdecken.

Warum wolltest du einen «On Track» Einsatz machen ?
Im Frühling dieses Jahres hatte ich die Gelegenheit, zwei Monate unbezahlten Urlaub zu beziehen. Gerne wollte ich diese Zeit sinnvoll nutzen, meinen Horizont erweitern und Menschen dienen.

Wann hast du das erste Mal von Interserve gehört und wie ?
Über mission.ch bin ich auf verschiedene Projekte von Interserve gestoßen. Nach einer kurzen Beschreibung von der Arbeit unter Flüchtlingen im Nahen Osten hatte ich sofort Feuer gefangen.

Wo warst du und was hast du während deinem Einsatz gemacht ?
Nur kurze Zeit später fand ich mich in einem schönen Wüstenland wieder, welches momentan die Heimat von unzähligen Flüchtlingen ist. Ungefähr jede dritte Person in diesem Land ist aus den umliegenden Ländern geflüchtet. Inmitten eines ärmlichen Quartiers in A. durfte ich ein kleines Studio in einer Kirche bewohnen. In der Nachbarschaft leben hauptsächlich Flüchtlinge aus Irak oder Syrien. Auch die Mitglieder der Gemeinde sind überwiegend aus dm Irak. In der Sonntagschule, im Jugendtreffen und in der Geschichtenstunde für die Nachbarskinder durfte ich sofort mit dabei sein und mich einbringen. Meine Möglichkeiten waren natürlich aufgrund der mangelnden
Sprachkenntnisse nicht riesig. Aber zum Glück hat mir Gott auch noch Hände und Füsse gegeben, um mich zu verständigen. Ein weiterer Einsatzbereich waren Hausbesuche bei Familien mit behinderten Kindern. Zusammen mit einer Engländerin, welche die Sprache und Kultur bereits über Jahre kennt, machten wir uns dreimal wöchentlich auf, um die Familien zu besuchen. Während sie Physioübungen mit den Kindern machte und sich mit den Müttern unterhielt, spielte ich mit den anderen Kindern. Bei jedem Besuch wurden wir mit Essen, Tee oder Kaffee verwöhnt. Egal wie oft dies an einem Nachmittag der Fall war. Dadurch erhielt ich noch einen viel tieferen Einblick in das Leben, die Gastfreundschaft und die Geschichten dieser liebenswerten Menschen. Am Ende meiner «On-Track-Zeit» hatte ich das Privileg mit einer Gruppe in ein weiters Land zu reisen, um in einem Projekt mit jesidischen Flüchtlingen mit zu helfen.

Was hast du für dich persönlich gelernt ?
Während diesen Besuchen machte mir Gott klar, dass es in seinem Reich keine zweitrangigen Arbeiten gibt. Oftmals hatte ich den Eindruck, dass ich ja «nur» mit den Kindern spielte,

bis Gott mir eines Tages klar machte, dass er genau dadurch enorm viel in diesen Kindern und in den ganzen Familien bewegen kann. So bat mich eine muslimische Mutter bei meinem letzten Besuch explizit um meine Gebete, obwohl sie wusste, dass ich zu Jesus beten werde. Dies nur als kleines Beispiel von Gottes grossem Wirken in dieser Region.

Was hat dich am meistens geprägt ?
Manchmal war es sehr schwierig mit diesen tragischen Geschichten umzugehen und ich fühlte mich beinahe erdrückt von diesem Leid. Aber Gott ist mir immer wieder wunderbar begegnet. Zum Beispiel in dem ER mir deutlich gezeigt hat, dass ER grösser ist als das Leid, den Schmerz und die Hoffnungslosigkeit. Wenn ich nicht weiss, wie ich diesen Herausforderungen begegnen kann, kann ich zu IHM rennen und es IHM zu Füssen legen. ER ist derjenige der Veränderung bringen kann,
der Wunden verbindet und zerbrochene Herzen heilt. ER kann diesen Menschen Zukunft und Hoffnung geben, weil ER es versprochen hat. Und in seiner Arbeit kann ich mich einbringen, auch wenn es «nur» mit einem Lächeln, einem einfachen Spiel oder einfach einem Gebet ist.

Was möchtest du den Lesern noch sagen ?
Viel zu schnell war meine Zeit vorbei und ich kehrte wieder zurück in die Schweiz. Gefüllt mit vielen Erlebnissen, ermutigenden Freundschaften, einer grossen Liebe für Flüchtlinge und einem brennenden Herz für meinen Gott!